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24. Juni 2020 |

3 Fragen an die „Drama Carbonara“-Girlgang

Die drei Damen vom Podcast „Drama Carbonara“ stellen sich den beinharten Fragen der Podcastwelt ohne Wenn aber mit viel Aber!

Im Comedy-Podcast “Drama Carbonara”, lesen und kommentieren die drei Freundinnen Tatjana, Jasna & Asta (v.l.n.r.) dramatische Kurzgeschichten aus Heftromanen wie “Meine Wahrheit”,  “Meine Schuld”  oder “Intimbeichte”.

Was fasziniert Euch an den Kurzgeschichten aus Romanheften und wie trefft Ihr Eure Auswahl?

Asta: Man weiß nie, was man kriegt! Über den Kaufimpuls entscheidet das Cover & dann ist es quasi wie ein Überraschungsei, welche Intrigen, Dramen und Liebesgeschichten das Heft wohl dieses Mal enthält – es macht süchtig!

Jasna: Wie sagt man so schön? “Komik ist Tragik in Spiegelschrift”. Der Witz in der Tragik, das Absurde im Alltäglichen ist doch das, das sich so lebensnah anfühlt. Zwischen den Zeilen zu lesen und es mit dem eigenen Leben, den eigenen Ansichten und dem Umfeld, in dem wir leben, zu vergleichen. Alles ist besser als Langeweile. Guter und altbewährter Tipp: Wenn die Spannung zu groß oder die Zeit zu knapp ist, blättere ich bis zum Schluss und lasse mir das Ende verraten. Manchmal reicht aber auch ein Bild und ein paar Zeilen, die mich neugierig machen mehr über die Story zu erfahren.

Tatjana: Diese Geschichten haben die Kraft, ab der ersten Zeile zu fesseln. Obwohl im Vorspann zumeist schon der Hauptteil der Handlung vorweggenommen wird, bleibt man dran, will mehr wissen, wird zu einem regelrechten Gefühlsvoyeur. Wer immer sich im Bereich der Küchenpsychologie zuhause fühlt, ist in diesen Geschichten genau richtig.

Warum glaubt Ihr, dass die Welt ein Format wie „Drama Carbonara“ brauchen kann?

Asta: Menschen lieben den Einblick in intime Lebensrealitäten anderer, nur dass hier die voyeuristische Sensationsgeilheit durch fiktive Geschichten befriedigt wird. Irgendwie real und doch nur ausgedacht. Ein Format, das inhaltlich jeder auf sein Leben beziehen kann, aber es auch, im Sinne reiner Unterhaltung, wieder fröhlich abstreift.

Jasna: Ich empfinde “Mädlsabende” als sehr heilsam. Frauen unter sich schalten ab, drehen auf, tauschen aus, sudern, lachen, weinen. Herrlich. Das Leben mit einer großen Portion Humor zu sehen, ist der Schlüssel. Und wenn wir uns das durch einen unterhaltsamen Podcast gönnen können – warum nicht? Wir laden die HörerInnen ein, mit uns auf die Reise in die Tiefen der Romanhefte aus den letzten 80 Jahren zu gehen. Die Welt braucht “Drama Carbonara”, weil es ein authentisches Comedy-Format in dieser Form in Österreich nicht gibt und sich die Welt da draußen nicht vor starken Frauen zu fürchten braucht.

Tatjana: Mir gefällt an „Drama Carbonara“, dass der Spaß im Vordergrund steht. Und dennoch wird es nie stumpf. Wir fühlen uns in die Geschichten und die Figuren ein und exerzieren die Gratwanderung zwischen Empathie und bewusster Abgrenzung vor einer Hörerschaft, die uns erzählt, dass sie während des Podcast-Hörens beginnt, mitzudiskutieren. Es scheint, wir schaffen mit „Drama Carbonara“ einen sicheren Raum, in dem es okay ist, sich zu wundern, zu echauffieren, mitzuleiden und jemanden die Daumen zu drücken. Weil wir uns trotz aller Emotionen im Reich der Phantasie befinden. In der Psychologie nennt man das „Probehandeln“, eine bewährte Praxis, um auch im echten Leben mit Herausforderungen besser umgehen zu können.

„Drama Carbonara“ ist eine reine Frauenproduktion. Welche Auswirkung hat das auf den Podcast und seine Wirkung?

Asta: Lustige und gleichzeitig intelligente Frauen, jenseits der 25, sind im Unterhaltungsbereich unterrepräsentiert und es fühlt sich deshalb gut an, hier etwas zu gestalten, was dem entgegenwirkt. Dass dies eine reine Frauenproduktion ist, ist jedoch gewissermaßen Zufall und nicht unumstößlicher Fakt, auch weil wir ja gerne und oft Männer in unsere Leserunde dazu bitten. Ich denke das Format kann inhaltlich jeden ansprechen und hat das Potential sowohl Männer als auch Frauen aller möglichen Alters- und Gesellschaftsschichten zu erreichen und zu begeistern. Altbacken und doch modern!

Jasna: Wir Frauen sorgen definitiv für eine Riesenportion Emotionen, die notwendige Prise Leidenschaft und den nötigen Schuss Empathie. Wir 3, quasi in unseren Dreißigern, kommen aus unterschiedlichen Ecken mit unterschiedlichsten Backgrounds und doch grooven wir uns richtig gut zusammen ein. Ich finde, diesen Vibe spürt man in unserem Podcast schnell. Wir lieben es zu quatschen und sind absolute Socializer – weshalb es für uns ein absoluter Gewinn ist, GastleserInnen(ja, auch Männer sind sehr herzlich willkommen!) mit an unseren “runden” Tisch zu bitten. Wir sind laut, direkt, stark und nicht auf den Mund gefallen. Das macht uns als Frauen unserer Generation aus. Wir sind Frauen, Mütter, Töchter, Freundinnen, Schwestern, Enkelinnen, Liebhaberinnen, Ehefrauen und Drama Carbonara. Drama Carbonara ist unser gemeinsames Baby, unser erweitertes Wohnzimmer, unser Schlupfloch, unsere Bühne.

Tatjana: Tatsächlich haben wir miteinander das Gefühl, als könnte uns nichts stoppen. Mit geschätzten männlichen Kollegen wird bei anderen Projekten viel auf rationeller Ebene über Möglich- und Unmöglichkeiten diskutiert. So etwas kommt bei uns kaum vor. Es geht selten um die Machbarkeit, sondern viel mehr um die Frage des Geschmacks. Was uns gefällt, wird gemacht, und es zeigt sich, dass wo ein Wille ist, da ist zumeist auch ein Weg. Außerdem – und ich glaube auch das liegt an der Nur-Frauen- Konstruktion – loben wir uns gegenseitig, machen uns Komplimente und bestärken uns in wichtigen Entscheidungen. Das gibt Kraft und Vertrauen in die Freundschaft und das Projekt.