Der Podcast-Markt im Fokus

29. Juli 2020 |

3 Fragen an Richard Hemmer & Daniel Meßner von „Zeitsprung“

Zwei Historiker vermitteln Geschichte: Vom australischen „Emu-Krieg“ über die Geschichte der Bluttransfusion bis zur fantastischen Story um den „Schachtürken“.

Ein Klassiker der Podcast-Szene

Am 1. Oktober 2020 werden es fünf Jahre sein, seit Richard Hemmer und Daniel Meßner mit der ersten Folge des „Zeitsprung“-Podcasts online gingen. Mehr als 250 Folgen haben die beiden Historiker mittlerweile veröffentlicht. Sie betreiben damit nicht nur einen der langlebigsten, sondern auch einen der erfolgreichsten österreichischen Podcasts, den die treue Hörer*innenschaft hartnäckig in den Top-Rängen der Spotify-Charts hält.

„Zwei Typen unterhalten sich – das ist erstmal nicht wirklich einzigartig in der Podcastlandschaft“, stellen Hemmer und Meßner fest. „Dass der eine nie weiß, was der andere ihm erzählen wird, ist es schon eher.“ Beeindruckend ist die Zuverlässigkeit der beiden Hosts: In den fünf Jahren seit dem Start konnten sich die Hörer*innen stets darauf verlassen, dass am Mittwoch eine neue Folge erscheint. Dabei überzeugen vor allem die inhaltliche Breite und Fülle an Themen, mit denen sich die zwei bisher beschäftigt haben. Zuletzt ging es etwa um den berühmten „Schachtürken“: Einen Automaten, dessen Konstruktion Kaiserin Maria Theresia gefördert und gegen den sogar Napoleon spielte. Das Geheimnis hinter dem mechanischen Schach-Genie wurde zu Lebzeiten seines Erbauers Wolfgang von Kempelen nie gelüftet. Die Geschichte erzählt Hemmer seinem Kollegen Meßner so spannend, dass man beim Zuhören schon einmal seine Busstation verpasst.

Das Hobby als Karrieresprungbrett

Weitere Themen der jüngeren Vergangenheit waren etwa die Geschichte der Bluttransfusion, der „Emu-Krieg“ im Westen Australiens 1932, eine Abhandlung über ausgestorbene Berufe oder auch die Story hinter dem weltweit beliebten Brettspiel Monopoly.

Die Podcasterei hat sich für die zwei Präsentatoren auch stark auf die jeweilige berufliche Entwicklung ausgewirkt: Meßner wäre „ohne das Podcasting nicht in den Bereich Wissenschaftskommunikation gerutscht“. An der Universität Hamburg ist er mittlerweile auch für Audioproduktionen zuständig. Hemmer wiederum „ist in seinem Brotjob unter anderem für den unternehmenseigenen Podcast zuständig“.

Wann und wie ist die Idee zum Podcast entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

Die Idee ist im Laufe des Jahres 2015 entstanden. Wir standen beide vor beruflichen Veränderungen und hatten den Plan, einen Podcast zu machen, in dem wir uns kurze Geschichten aus der Geschichte erzählen. Da wir beide Historiker sind und uns von der Uni kannten, lag das thematisch nahe. Wie das konkret ablaufen soll, hat sich dann erst Stück für Stück ergeben. Die Folgen wurden immer länger und einige Elemente haben sich im Laufe der Zeit etabliert, wie zum Beispiel der Feebackhinweisblock. Hätten wir gewusst, wie viel Aufwand das irgendwann sein wird, wären wir wahrscheinlich nicht mit einer wöchentlichen Folge gestartet 😉  

Was ist die größte Überraschung (positiv oder negativ) bzw. die interessanteste Begebenheit, die es in Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Die Menge an positivem Feedback. Viele Hörer*innen schreiben uns, machen Themenvorschläge oder werfen uns etwas in den Hut. Und es macht einfach wahnsinnig viel Spaß, Menschen für Geschichte zu begeistern oder zumindest zu interessieren. 

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant? Wenn ja: wie?

Wir haben es nicht darauf angelegt, mit dem Podcast Geld zu verdienen, und das steht auch jetzt noch nicht im Vordergrund. Wir wollen Geschichten erzählen. Im Moment ist es möglich, uns Geld zu spenden. Werbung kam bislang noch nicht in Frage. Erst die Podcast-Liebe, dann das Geldverdienen. 

Bernhard Madlener