Der Podcast-Markt im Fokus

30. Juni 2020 |

3 Fragen an die Macher von „Urbekannt“

„Urbekannt“ ist der Podcast über Wiener*innen, die unseren Alltag mitgestalten und die jeder kennt – über die aber kaum jemand viel weiß. Ihre Geschichten sammeln die beiden Studenten Tom und Robert, die mit dem Auftreten von Covid-19 auch ihr Konzept überarbeiten mussten.

Dass man sich beim Namen dieses Podcast schon einmal irren kann, gehört zum Konzept: Was die Studenten Tom und Robert machen, nennt sich „Urbekannt“ – wird aber beim schnellen Drüberlesen durchaus mal als „unbekannt“ verstanden. Und so stellen die beiden Macher fest: „Wir berichten über Leute in Wien, die man kennt – die also urbekannt sind –, deren Hintergrundgeschichte jedoch meist unbekannt ist.“

So ging es zu Neujahr 2020 damit los, dass Fundraiser*innen interviewt und porträtiert wurden: Also jene Menschen, die für NGOs auf der Straße stehen und neue Spender*innen zu keilen versuchen. Auch die Mitarbeiter*innen des Gebühren Info Service – vulgo: „ORF-Keiler“ – standen bereits im Mittelpunkt des Podcasts, genauso wie die die Wiener „Schwarzkappler*innen“: die Fahrschein-Kontrolleur*innen in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei all diesen Menschen denkt man, ihre Tätigkeit und ihren Tagesablauf mehr oder weniger zu kennen. „Urbekannt“ belehrt uns eines Besseren.

Monatsthemen im Wochen-Rhythmus

Auch zum Konzept gehört es, dass jedes Thema über einen ganzen Monat behandelt wird, und somit im Wochentakt jeweils vier Folgen veröffentlicht werden: Teil 1 widmet sich immer allgemein dem aktuellen Thema und präsentiert harte Fakten. In Teil 2 diskutieren Tom und Robert auf Basis dieser Fakten und machen das Thema besser greifbar. Teil 3 ist ein Expert*innen-Interview. Und in Teil 4, dem „Senf-Teil“, geben die zwei Hosts ihre persönliche Meinung kund.

„Der Podcast spricht explizit lokale Themen an, mit denen sich jede*r Einheimische oder Wien-Interessierte identifizieren und auseinandersetzen kann“, erklären Tom und Robert. „Wir sind keine professionellen Journalisten“, weshalb ihre Präsentation der Themen „leichter zugänglich“ – und vielleicht auch besonders authentisch sei. Im Sinne einer kategorischen Einordnung falle „Urbekannt“ sowohl in die Bereiche Wissen und Alltagsgeschichten als auch in den Bereich Comedy.

Dadurch, dass Tom Marketing studiert, wisse er, „dass Podcasts in Österreich immer mehr Einfluss haben werden“. Mit ein Grund, weshalb die beiden für ihre Storys den Podcast als Medium wählten. Robert wiederum, der sich in seiner Freizeit der Musikproduktion widmet, konnte die technischen Grundlagen bereitstellen.

Keine „Corona-Ferien“

Mit dem notwendigen Lockdown, den der Covid-19-Virus im März 2020 mit sich brachte, stand „Urbekannt“ vor dem Problem, nur sehr eingeschränkt Interviews und Reportagen produzieren zu können. Die viel zitierten „Corona-Ferien“ waren für Tom und Roberts Podcast jedoch keine Option: So wurde für April kurzerhand ein vierteiliges Special zum Virus produziert. Und schließlich das Konzept den erzwungenen Umständen angepasst: Die beiden betonen aktuell stärker den Comedy-Aspekt von „Urbekannt“. Das bedeutet im Grunde, dass sich Tom und Robert über diverse Themen unterhalten, sich gegenseitigen Herausforderungen stellen und abwarten, bis die „Lebensnormalität“ möglichst wieder im gewohnten Ausmaß hergestellt ist.

Wann und wie ist die Idee zum Podcast entstanden, und wie wurde über den Titel entschieden?

September 2018: Wir waren gerade dabei, das jährliche Flunkyball-Turnier zu planen. Und haben dann besprochen, dass es eigentlich toll wäre, ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, bei dem wir über Wien sprechen. Im weiteren Verlauf ist das Konzept für „Urbekannt“ entstanden und wir haben uns die Details überlegt, wie wir den Podcast gestalten wollen. Im Café 7stern haben wir dann endgültig darüber entschieden, wie Urbekannt ausschauen soll. Zum Titel, da haben uns zuerst Objekte überlegt, die jede*r kennt, ohne ihren Namen zu wissen. So fiel uns z.B. die Falte unter der Nase ein: Jeder weiß, was damit gemeint ist, aber niemand kennt die genaue Bezeichnung. Darum lief das Projekt eine Zeitlang unter dem provisorischen Namen „Philtrum“. Der konkrete und endgültige Name „Urbekannt“ entstand dann bei einem erneuten Brainstorming zusammen mit unserer Grafikerin Sarah Weinberger.

Was ist die größte Überraschung, die es im Zusammenhang mit dem Podcast in den letzten Monaten gab?

Positiv ist auf jeden Fall, dass sich viele Leute melden bzw. sich für die Themen, die wir ansprechen, interessieren und mehr wissen wollen oder sogar Vorschläge einbringen. Auch hatten wir letztens einen Vortrag beim Bezirksmuseum im 15. Bezirk. Negativ hat sich natürlich der Corona-Virus auf unseren Podcast ausgewirkt, weil wir unsere Recherchen einstellen mussten. Weiters ist die Zahl der regelmäßigen Zuhörer*innen ausbaubar. Auch das Konzept mit dem „Geld spenden“ ist noch nicht so aufgegangen, wie erhofft.

Wird mit dem Podcast auch (schon) Geld verdient bzw. ist das geplant?

Die Möglichkeit besteht natürlich, und es haben uns schon einige Spenden erreicht. Aber wir würden uns für die Zukunft erhoffen, dass sich das noch besser entwickelt. Es gibt das Konzept, sich als Podcaster*in bei Patreon anzumelden – einer Plattform, bei der man uns mit einem monatlichen Beitrag unterstützen kann. Wer das macht, bekommt alle Folgen, alle Interviews und Recherchen zugeschickt. Wir haben jedenfalls nicht vor, uns über Werbung zu finanzieren. Da wir das Ganze von Anfang an als Hobby gesehen haben, würden wir aber gar nicht vom Podcasten leben wollen.

Bernhard Madlener