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20. Januar 2021 |

„Clubhouse“: Ein neuer Spielplatz für (noch) Wenige

Dem neuen Netzwerk wird bereits eine große Zukunft vorausgesagt. Außenstehende macht der Hype um „Clubhouse“ derweil ratlos.

Wer die (virtuelle) Hand hebt, kommt zu Wort: „Clubhouse“ will sich als eine Art globale Diskussions-Plattform für jede*n etablieren, ist aber vorerst mit viel Kritik konfrontiert.

Plötzlich war es da. Noch vor dem Wochenende hatte kaum jemand je von „Clubhouse“ gehört: Dem neuen Sozialen Netzwerk, das seinen Usern informative und unterhaltsame „Drop-in audio chats“ verspricht. Doch bald wird wohl jeder jemanden kennen, der auf der Suche nach einem „Invite“ ist. Denn nur damit – also per Einladung durch ein Clubhouse-Mitglied – erhält man Zutritt zur illustren Runde. Aber auch das nur, wenn man ein Apple-Smartgerät besitzt – welches zumindest auf Version 13 des Betriebssystems iOS laufen muss.

Aufmerksamkeit durch Verknappung

Das sorgt für ein Gefühl der Besonderheit bei jenen, die schon „drin“ sind. Die künstliche Verknappung der Invites – jede*r Clubhouser*in kann bis zu zwei weitere User einladen – ist natürlich ein geschickter Marketing-Gag. Sie beugt nicht zuletzt aber auch einer Überlastung der Server aufgrund rasch steigender Userzahlen und Datenmengen vor.

Aber worum geht’s überhaupt bei Clubhouse? Jene, die schon dabei sind, beschreiben es beispielsweise als „eine Mischung aus Live-Radio und Twitter“: User erstellen Räume, in denen diskutiert und/oder zugehört werden kann – ersteres tatsächlich mittels Audio-Beitrag. Wer sein virtuelles Händchen hebt, kann vom Moderator für ein Statement, eine Frage oder deren Beantwortung freigeschaltet werden. Ob und wie gut das funktioniert, hängt natürlich von den Menschen und deren Zahl ab, die in einem Raum zusammentreffen.

Clubhouse verspricht sozusagen, soziale Distanzen zu überwinden und Menschen näher zusammen zu bringen: Gerade in Zeiten des Lockdowns keine schlechte Sache. In Anlehnung an das Twitter-Prinzip kann man sich so auch auf dem Audio-Kanal plötzlich unmittelbar mit Freund*innen und Bekannten sowie mit Promis aus Kultur, Politik und Wirtschaft austauschen. Man wird damit als Durchschnittsmensch mit seinen Anliegen und Ideen besser wahrnehmbar. Gleichzeitig steigt die Gefahr, dass virtuelle Pöbeleien nur eine weitere potenzielle Plattform erhalten.

Fehlende Barrierefreiheit & übermäßiger Datenhunger

Im Endeffekt ist jeder Kommunikationskanal natürlich nur das, was die Menschen daraus machen: Wer darauf achtet, dass die eigenen Räume überschaubar bleiben und die eingelassenen User sich benehmen, wird sicher einen Mehrwert für alle Beteiligten generieren können. Bis hin zum Live-Podcasting, das manchen bereits als ein Haupt-Anwendungsbereich von Clubhouse gilt.

Vorerst werden sich die Macher vor allem mit zwei Kritikpunkten beschäftigen müssen:

  1. Die App ist nicht barrierefrei. Gehörlose Menschen haben wenig Chance, an den Diskussionen teilzunehmen. Ob Live-Transkriptionen künftig möglich sein werden, ist noch unklar – hängt aber natürlich auch von den Endgeräten und der Internet-Bandbreite der User ab.
  2. Die App ist tendenziell eine neue „Datenkrake“. Hat sich vor wenigen Tagen noch eine Vielzahl an Menschen bemüht, aufgrund einer AGB-Änderung bei WhatsApp zum Konkurrenten Signal oder einen anderen Messenger zu wechseln, um persönliche Daten künftig nicht (in noch größerem Ausmaß) dem Facebook-Konzern zugänglich zu machen, gibt man nun ohne großes Murren einer weiteren Plattform Zugang zum persönlichen Adressbuch.

Das volle Potenzial von Clubhouse wird sich erst zeigen, keine Frage. Und (berechtigte) Kritik ist dafür da, um idealerweise berücksichtigt zu werden. Für eine Menge Interessent*innen heißt die Devise vorerst jedenfalls weiterhin: abwarten und auf die baldige Präsentation der Android-App samt „Invite“ hoffen.

Die iOS-Version der Clubhouse-App gibt’s im App-Store von Apple kostenlos zum Download.

Bernhard Madlener