Der Podcast-Markt im Fokus

2. Juli 2020 |

How to Podcast, Pt. 3: Warum eigentlich noch (m)ein Podcast?

Von Nischen und Chancen auf dem Podcast-Markt

Die Zahl der Podcasts steigt weltweit rasant an. Für den DACH-Raum stellte etwa Spotify bereits 2019 fest, dass die Zahl der deutschsprachigen Podcasts nur auf dieser Plattform in einem Jahr bereits von 2.000 auf 12.000 gestiegen sei. Allein in Österreich sind derzeit knapp 500 Podcasts aktiv, wie Hari List von META Communication International erhoben hat.

Laut Reuters‘ „Digital News Report 2020“ liegt die Rate der deutschen Podcast-Hörer*innen bei 24 Prozent der Bevölkerung. In Österreich sind es 28 Prozent, in der Schweiz sogar 32 Prozent. Der Bericht macht zudem klar, dass Podcasts Spitzenwerte bei Menschen bis Mitte 30 haben. Erst ab ca. 40 Jahren hört man wieder verstärkt klassisches Radio. (Wobei nicht angenommen werden sollte, dass die jungen Generationen ihre aktuellen Hörgewohnheiten mit dem Alter ablegen.)

Potential: 70 Prozent der Menschen hören noch keine Podcasts

Klar ist auf Basis dieser Zahlen: Das Angebot ist immens, der Podcast-Markt ist schon sehr gesättigt. Wer im Jahr 2020 plant, einen Podcast zu starten, muss sich also einem immens großen Mitbewerb stellen. Andererseits gibt es ein Potential von um die 70 Prozent der Menschen, die noch nicht (regelmäßig) Podcasts hören.

Die Chance, als Produzent*in auch künftig wahrgenommen zu werden – vorausgesetzt man versteht es, sein „Podcast-Baby“ ein wenig zu vermarkten – ist also nicht gering. Natürlich gibt es Genres, die besonders beliebt sind, wie etwa True Crime und Comedy. Auch Covid-19 wird uns alle als Thema von Podcasts auch noch länger begleiten und – leider – interessieren müssen.

Weiters ist zu beobachten, dass auch bei Podcasts mittlerweile gilt: „Sex sells.“ Will heißen: Sex Talk, intime Bekenntnisse, offene Beziehungen usw. stehen verstärkt im Mittelpunkt neuer Formate. Nicht zuletzt deswegen war auch Charlotte Roches „Paardiologie“ einer der größten deutschsprachigen Podcast-Erfolge 2019. Ganz klar wird mit diesem Genre eine besondere Neugier der Hörer*innen angesprochen: Jene, die sich auf unbekannte Lebenswelten anderer Menschen bezieht – und vielleicht auch auf eigene, verborgene Wünsche.

Leidenschaften ansprechen, Expertise zeigen

Der wirkliche Knackpunkt für den potentiellen Erfolg deines Podcasts liegt aber bei den „unbekannten Lebenswelten“. Bei dem, was andere Menschen tun, was ihre Leidenschaften sind, was ihre Profession ist. Podcast-Hörer*innen sind in hohem Ausmaß an der authentischen Vermittlung von Neuem interessiert. Inhalte werden in dem Sinn über formelle Aspekte gestellt. Bis hin zur Tatsache, dass weder die Audioqualität noch die Schnittkünste perfekt sein müssen – wenn nur der Inhalt passt.

Neben der Tatsache, dass auch ein weiterer neuer True Crime-, Comedy-, Politik- oder Gay-Podcast wohl immer noch eine große Zahl an Menschen begeistern könnte, steckt die wahre Chance wohl in der Nische: Wer im Podcast einen Lebensbereich teilt, in den man sonst nicht so leicht Einblick erhält, kann rasch eine interessierte Community begeistern. Das schafft etwa Brix Schaumburg mit seinem Podimo-Exclusive „Transparenz“, in dem seine Entwicklung von der Frau zum Mann detailreich aufgezeigt wird und er Hörerinnen-Fragen beantwortet.

Eine Nische, für die man andere Menschen begeistert, kann aber auch einfach ein Hobby sein, eine besondere Leidenschaft, der exklusive Zugang zu einem Thema: Jeder Bereich, über den andere Menschen gerne etwas erfahren möchten. Eines der während dem Corona-Lockdown am meisten gefragten Geheimnisse dürfte etwa gewesen sein, wie man ein gutes Bananenbrot bäckt. Am besten ohne Hefe.

Back-Podcasts waren in diesem Sinn wohl auch etwas gefragter als zuvor. Aber es gibt z.B. auch Podcasts darüber, wie man seinen inneren Schweinehund überlistet, um mit dem Laufen zu beginnen. Es gibt Podcasts über Streifzüge durch die Natur, für die zusätzlich Expert*innen interviewt werden. Es gibt Podcasts über „die geekigen Seiten des Rechts“.

Es gibt Podcast über fast alles. Und fast alles eignet sich als Thema für einen Podcast. Also: Erzähl den Leuten, was du kannst!

Hinweise, Wünsche, Anregungen und Kritik zur Kolumne „How to Podcast“ sind jederzeit willkommen. Die Redaktion freut sich über jede Nachricht.

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Bernhard Madlener