Der Podcast-Markt im Fokus

5. Mai 2021 |

Der Hype ums gesprochene Wort professionalisiert das Podcast-Ökosystem

Apple, Facebook, Spotify: Podcasts gewinnen immer mehr an Aufmerksamkeit, nun beginnt die Schlacht ums große Geld.

Die Ankündigungen der letzten Wochen überschlagen sich. Gleich drei der wichtigsten globalen Tech-Unternehmen haben große Veränderungen in ihren Audiostrategien bekannt gegeben. Und dabei geht es um weitaus mehr als das omnipräsente Klonen der zu Jahresanfang gehypten Clubhouse-App. Audio wird immer mehr zum neuen Schwarz und das drückt sich aus in neuen Features und Werkzeugen, weltumspannenden Kooperationen und Monetarisierungschancen für Podcaster*innen.

Clubhouse gibt den Startschuss

Aber schalten wir nochmal auf Anfang. Anfang 2021 macht eine neue App von sich reden. Clubhouse. Dort werden einfache virtuelle Audioräume geboten, in denen sich Menschen unterhalten und Veranstaltungen moderieren können. Die App geht kurz nach ihrem Start durch die Decke und macht  durch ihren Erfolg für alle Welt sichtbar: Audio kann unterhalten, die Massen begeistern und ist als Medium wie gemacht für das 21. Jahrhundert.

Facebook grätscht ins Audiofahrwasser

Die Ankündigungen der Tech-Giganten, Clubhouse nachzubauen, lassen nicht lang auf sich warten. Twitter geht auf Shopping-Tour und launcht Spaces, Spotify kauft Locker Room (zukünftig Spotify Greenroom), Discord stellt Stage Channels vor, Reddit erledigt den Job inhouse und stellt schon im April seinen Klon vor. Auch Facebook wagt den Sprung ins Audiogewässer, doch es wäre nicht Facebook, wenn es nicht gleich mit einem ganzen Arsenal an Angeboten versuchen würde, die Nutzer auf seine Seite zu ziehen. Schon im Mai sollen auf der userstärksten Social-Media-Plattform der Welt neue Werkzeuge für die Audioerstellung zur Verfügung stehen – ein Tonstudio in der Hosentasche, so die Ankündigung. Es werden neue Formate wie Audiostories und Soundbites eingeführt und auch der eigene Clubhouse-Klon, kurz Audio-Live-Räume benannt, scharrt bereits in den Startlöchern. Und last but not least können durch eine neue Kooperation mit Spotify nun Podcasts direkt in Facebook gehört werden, ohne die Plattform zu verlassen. Medienbruch ade!

Der schlafende Riese erwacht

Kaum war die Facebook-Ansage verdaut, erhob sich der schlafende Riese Apple aus seinem 15-jährigen Podcast-Schlaf und kündigte aus dem Nichts eine in Apple Podcasts implementierte Monetarisierungslösung für Podcasts an. Die sogenannten Apple Podcast Subscriptions ermöglichen es Content Creators ihre Podcasts weiterhin frei anzubieten, sie bezahlpflichtig zu machen oder einfach als gemischte Variante auszuspielen. Wer das Angebot nutzen will, zahlt initial 19,99 US-Dollar und muss im ersten Jahr 30 Prozent der Einnahmen an Apple abgeben und in den darauffolgenden Jahren 15 Prozent. Der Bezahlvorgang ist in seiner Einfachheit nicht zu überbieten und alle Preise können individuell an Ländergewohnheiten angepasst werden. 

Nicht ohne mich!

Spotify reagierte auf den Vorstoß innerhalb weniger Tage, schließlich hatte der schwedische Streaming-Gigant die vergangenen zwei Jahre mehr als hart daran gearbeitet, Apple seinen Rang als Nummer-1-Podcast-Plattform in der Welt streitig zu machen und Abermillionen auf dieses Ziel verwendet. In so eine Strategie passt überraschte Passivität nun mal nicht. Und so stellte Spotify gefühlte 72 Stunden nach der Apple-Ankündigung sein eigenes Bezahlsystem vor, ausgeführt über die hauseigene Hostingplattform Anchor. Noch dazu viel billiger, also anfangs gratis und ab 2023 gehen fünf Prozent der Einnahmen an das Unternehmen.

Hausaufgaben für PodcasterInnen

Frau muss keine Prophetin sein, um zu erahnen was als Nächstes kommt. Die Konkurrenz a la Google Podcasts und Amazon wird schon bald mit eigenen Angeboten auf den Markt reüssieren. Für PodcasterInnen bedeutet das vor allem eines: Angebote sichten, in den Daten im Backend von Apple Podcasts und Spotify nach Hinweisen graben, wie zahlungswillig die werte Hörerschaft ist und dann einfach mal ausprobieren, welches Modell für den eigenen Podcast am besten funktioniert.

Tatjana Lukas